Thema: Cannabis
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Cannabis

Harmloser oder folgeschwerer Genuss?

Von Dipl.-Psych. Andrea Richter

 

     Politiker gestehen öffentlich, sie hätten am Joint gezogen. George Washington baute nachweislich Hanf an. Victor Hugo kiffte ebenso wie Freud oder Friedrich Nietzsche. Und eine ganze Generation nahm sich Bob Marleys Vorliebe für die Droge Hanf zum Vorbild. Mehr als bei allen anderen Rauschdrogen scheiden sich die Geister, wenn es um Cannabis geht. Erfreulicherweise ist eine gesamtgesellschaftliche Tendenz zu beobachten, die den immer früheren Konsum im Jugendalter endlich ernsthaft wahrnimmt und sich dagegen wendet. Denn leider rückte seit den 90er Jahren die erste Erfahrung mit dem Konsum von so genannten ‚weichen’ Drogen immer näher an das Alter heran, in dem die erste Zigarette geraucht wird. Viele 12- und 13-Jährige wissen inzwischen bedeutend besser als ihre Eltern Bescheid, welche chemischen und ‚natürlichen’ Drogen wie konsumiert werden, und wo man gesichert für Nachschub sorgen kann. Oftmals dauert es Monate, bis überhaupt auffällt, dass das eigene Kind regelmäßig zu Drogen greift, weil sich die Anzahl der Fehlstunden auf ganze Tage ausweitet, die geschwänzt werden, weil die schulischen Leistungen rapide sinken oder das Interesse an der eigenen Zukunft mit einem Schulterzucken abgetan wird. Vor diesem Hintergrund kann Cannabis – ähnlich wie der Konsum von Alkohol und Nikotin – nur negativ bewertet werden. Doch die Auseinandersetzung über das Thema Cannabis ausschließlich auf die folgeschweren Auswirkungen in der Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter zu reduzieren, wäre zu einseitig.

 

Was ist Cannabis?

     Hinter der Verwendung des Wortes ‚Cannabis’ verbergen sich verschiedene Aspekte. Cannabis ist mehr als nur das Synonym für Droge, vielmehr ist es ein Sammelbegriff, der je nach Blickwinkel die verschiedenen Bedeutungen der Pflanze Hanf in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt.

     Um die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Cannabis sativa – so der wissenschaftliche Name der Hanfpflanze – wissen Menschen seit Jahrtausenden. Bereits mehr als 4000 Jahre v. Chr. wurde Hanf in China als Nutzpflanze angebaut. Als Grundlage für die Herstellung von Papier, Textilien und Seilen war und ist die fasrige Pflanze sehr gut geeignet, da sich alle Pflanzenteile verarbeiten lassen. Diese wirtschaftlichen Vorteile des nachwachsenden Rohstoffs erleben gegenwärtig wieder eine Renaissance. Die berühmte Gutenberg-Bibel wurde ebenso wie die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf dem nahezu unverwüstlichen Hanfpapier gedruckt. Selbst die ersten Jeans von Levis Strauß bestanden aus Hanf. Ihren Weg nach Europa fand die Pflanze vor allem wegen der für die Schifffahrt benötigten Seile und Segel. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Salzwasser machte ihre Nutzung bedeutend attraktiver als Baumwolle.

     In der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor Hanf seine Bedeutung als Nutzpflanze zu Gunsten synthetisch herstellbarer Fasern und geriet zunehmend in ihrer Funktion als Rohstofflieferant für Haschisch und Marihuana in Verruf. Doch Hanf wurde nie nur ausschließlich als Nutzpflanze verwandt. Auch die psychoaktive Wirkung bestimmter Teile der weiblichen Hanfpflanze nutzt man seit Jahrtausenden gezielt als Rauschmittel. Cannabis ist eine der ältesten bekannten Drogen und neben Alkohol das am weitesten verbreitete Rauschmittel überhaupt. Aus den getrockneten Blüten der weiblichen Pflanze gewinnt man Marihuana  (auch ‚Gras’ genannt), das im Gegensatz zum Haschisch weniger des berauschenden Hauptwirkstoffs THC enthält und optisch in Form und Farbe verstärkt an Gras erinnert. Als Haschisch bezeichnet man das getrocknete Harz der Pflanze, das von den Drüsen der Blütenblätter geschabt und zu Platten gepresst wird. Haschisch und Marihuana werden überwiegend geraucht (umgangssprachlich: kiffen). Am bekanntesten ist der Joint, der aus einem Gemisch von Tabak und Haschisch (oder Marihuana) besteht. Vor allem Jugendliche verwenden die so genannte Bong (ein im Handel erhältliches Gerät, bei dem der Rauch durch Wasser geleitet wird), um in möglichst kurzer Zeit – und damit auf sehr schädigende Weise – die berauschende Wirkung zu erzielen. Dieser ausschließlich auf die schnelle und massive Wirkung orientierte Konsum ist jedoch nicht mit den sozialen Ritualen des Kiffens zu vergleichen, die manche (westdeutsche) Elterngenerationen noch aus der eigenen ‚Flower-Power-Zeit’ kennen.

     Haschisch kann auch – dann meist als Zutat zu Kuchen oder Keksen – gegessen oder als Beimengung z. B. von Tee oder Kakao getrunken werden. Der gewünschte Effekt tritt beim Rauchen nahezu sofort ein und erreicht nach ca. 30 – 60 Minuten seine höchste Wirksamkeit und verschwindet nach 2 – 4 Stunden. Isst man Cannabis, so verzögert sich der Beginn der Wirkung, die aber dann insgesamt länger dauert.

 

Wie wirkt Cannabis?

     Inzwischen ist eine Vielzahl von Substanzen bekannt, die eine nachweisbare Wirkung auf den menschlichen Körper zeigen. Der Hauptwirkstoff dieser unter dem Begriff ‚Cannabinoide’ zusammengefassten Substanzen ist das so genannte THC (Delta 9-Tetrahydrocannabinol), das im Wesentlichen die Verantwortung für den begehrten Rausch trägt, aber auch auf unterschiedliche Weise medizinisch sinnvolle Resultate ermöglicht.

     Erst in den 90iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewann man konkretere Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen dem konsumierten THC und den ausgelösten körpereigenen Reaktionen beim Menschen, die sich hauptsächlich in den Immunzellen, dem peripheren Nervensystem und im Gehirn, dem cannabinoiden System, abspielen. Dieses cannabinoide System beeinflusst unter anderem die Funktionen des Gedächtnisses, der Schmerzverarbeitung und Motorik, des Appetits, aber auch der Immunabwehr. Bei der Einnahme der Cannabinoide kommt es zu einer von außen erzeugten Erregung dieses Systems, das dann mit den entsprechenden psychischen und physischen Wirkungen reagiert.

     Cannabis löst je nach persönlicher Befindlichkeit sehr zeitnah eine euphorische Stimmung – das so genannte ‚High’ – aus und wirkt entspannend, appetitanregend und kommunikationsfördernd. Es kann zu leichten Veränderungen in der optischen, akustischen und zeitlichen Wahrnehmung kommen. Geschmack, Geruch, Töne und Farben erscheinen intensiver und beeindruckender. Abhängig von der emotionalen Befindlichkeit und je nach zugehörigen sozialen Rahmen und Situation regt der Konsum die Selbstreflexion an. Bei hoher Dosierung und Dauerkonsum wirkt Cannabis als Droge stark beruhigend und dämpfend.

     Der Körper reagiert im Augenblick des Konsums mit einem leicht erhöhten Blutdruck und Pulsschlag. Gerötete Augen, erweiterte Pupillen und Bewegungsauffälligkeiten sind optisch wahrnehmbare Folgen. Je nach Dosis und Gewöhnung können aber auch Schwindelgefühle, Übelkeit, Reizhusten, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen auftreten.

     Häufig wird von den Befürwortern unterschlagen, dass Cannabis sowohl in der Langzeitwirkung als auch in der Situation der Einnahme erhebliche Störungen im Kurzzeitgedächtnis auslöst und Konzentrationsvermögen und Denkleistung negativ beeinträchtigt. Problematisch sind auch akut auftretende psychische Folgen wie Angst, Depressionen, Panik oder Horrorvisionen. Bei Menschen mit entsprechender Veranlagung kann die leichte halluzinogene Wirkung von Cannabis eine Psychose auslösen bzw. verstärken.

     Als Medikament kann die appetitanregende Wirkung des THC in der Behandlung von AIDS oder zur Linderung der Folgen von Chemotherapien genutzt werden. Als mögliche Indikation für den Einsatz von Hanfmedikamenten werden auch Epilepsie, Asthma oder Krämpfe bei Multipler Sklerose genannt. In geringen Dosen wirkt das THC bei Schmerzen wie Migräne, Arthritis oder bei Menstruationsschmerzen.

 

Folgeschwerer oder harmloser Genuss?

     Vor dem Hintergrund der zunehmenden Erkenntnisse über die medizinische Bedeutung und Einsatzmöglichkeit von Cannabis einerseits und des stark zunehmenden Konsums als Droge bei Jugendlichen andererseits gerät die Argumentation von Pro und Kontra häufig destruktiv, da Befürworter oder Gegner jeweils nur das Für oder das Wider in den Vordergrund stellen. Die Diskussion um die Verwendung der Inhaltsstoffe von Cannabis als Arzneimittel wird dadurch erschwert, dass es eben auch illegal als Droge genutzt wird und damit unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Beim Für und Wider zum Thema ‚Legalisierung’ darf  deshalb nicht außer acht gelassen werden, dass es sowohl um die Zulassung als Medikament geht, als auch um die Forderung zur generellen Legalisierung von Cannabisprodukten – dann jedoch auch zu Rauschzwecken. Trotz der Tatsache, dass es bei vielen Dauerkonsumenten zu einer psychischen Abhängigkeit kommt, ist THC nicht im eigentlichen Sinne giftig und körperlich nicht Sucht auslösend, wie dies bei Heroin oder Alkohol der Fall ist. Körperliche Entzugserscheinungen (nach Dauerkonsum) sind vorübergehend auftretende Hyperaktivität und Schlafprobleme, da die Sedierung fehlt.

     Die alarmierenden Gründe für das sinkende Einstiegsalter und das exzessive Konsumverhalten bei Jugendlichen sind auf die leichte Verfügbarkeit zurückzuführen – in größeren Städten gibt es kaum noch Schulen, an denen nicht gedealt wird. Positive Erfahrungen beim Erstkonsum, kiffender Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch die nachlassende soziale Kontrolle und Kommunikation in den Familien und die langjährige gesellschaftliche Toleranz gegenüber Joint und Haschisch führen zu exzessiven Konsummustern unter Jugendlichen. Durch häufigen, regelmäßigen Gebrauch stellt sich eine Antriebsminderung ein, die insgesamt die Leistungsbereitschaft reduziert und die Frustrationstoleranz herabsetzt. In der wichtigen Phase der Persönlichkeitsentwicklung – wie es das Jugendalter ist – kann Kiffen gravierende psychische zur Folge haben. Insbesondere regelmäßiger Cannabis-Konsum führt häufig zum sog. Amotivationssyndrom, d.h. zu Motivationslosigkeit und Interessenverlust, Verweigerung von Leistung und Verantwortungsübernahme. Die hieraus entstehenden Probleme werden dann wiederum ‚weggekifft’, so dass sich Lebensperspektiven regelrecht ‚in Rauch’ auflösen.

     Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass Cannabinoide bei gezielter ärztlicher Indikationsstellung durchaus einen sinnvollen medizinischen Einsatz finden könnten. Gleichzeitig müssen die Risiken von Cannabis als Rauschmittel gesehen werden, vor allem mit den nicht seltenen dauerhaften Veränderungen der Persönlichkeitsentwicklung und als Auslöser psychotischer Störungen.

 

Vertiefende und weiterführende Literatur

Schneider W, Buschkamp R, Follmann A (2000) Cannabis – eine Pflanze mit vielen Facetten. Vwb

v. Treeck B (2000) Das große Cannabislexikon. Alles über Hanf als Kulturpflanze und Droge. Schwarzkopf und Schwarzkopf

Grotenhermen F (2004) Hanf als Medizin. At-Verlag

 

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Veröffentlicht am 23. Januar 2006

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