Thema: Designerdrogen
Institut für psychotherapeutische Information


Themen

bulletVon Angst bis Zwang

Literatur

bulletLebensphasen
bulletPsychische Krankheiten
bulletKörper und Psyche
bulletTherapie- Verfahren
bulletEntspannung
bulletHumor

Adressen

bulletPsychotherapie
bulletEltern-Kind
bulletSucht
bulletMedizin + Gesundheit
bulletHilfe + Selbsthilfe
bulletSuchdienste

Wir über uns

bulletImpressum
bulletFAQ
bulletRückmeldungen
bulletStatistik
bulletPartner

E-Mail

amazon.de


Im Dienst der Qualitätssicherung:

Diese Web
Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies
zu überprüfen

 

 

 

Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen. Kontrollieren Sie dies hier.

HONcode Prinzipien

 


Optimale Bildschirmeinstellung: 1024x768 Pixel.

 

Designerdrogen unter der Lupe

Der Allgemeinbevölkerung fremd - im Nachtleben weit verbreitet

Von Dipl.-Psych. Sheila Hansen

 

Im Folgenden werden Verbreitung, Gebrauch, Wirkung/en und Gefahren von Designerdrogen beschrieben.

Als Designerdrogen bezeichnet man psychotrope, also auf die Psyche einwirkende Substanzen aus der Gruppe der Amphetaminderivate. Chemische Bezeichnungen dieser Stoffe sind z.B. MDMA, MDEA, MDA oder MBDB, wobei Mischungen dieser und anderer Substanzen unter dem Gebrauchsnamen Ecstasy bekannt sind.

Mit dem Begriff Derivat ist ein chemisch hergestellter Abkömmling der - seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannten - Grundsubstanz Amphetamin (Speed genannt) gemeint. Es handelt sich um synthetische, also künstlich produzierte Stoffe, die größtenteils in privaten Labors hergestellt werden. Bei der Herstellung können bestimmte Wirkungen stärker als andere herausgearbeitet werden, z.B. die stärker halluzinogene Wirkung in den chemischen Stoffen DOB und DOM oder die potentere Wirkung des Methamphetamins MAM, das als Crystal bezeichnet wird.

Durch die überwiegend private Herstellung in schlecht ausgestatteten Labors sind Designerdrogen einerseits leicht zu beschaffen, andererseits unterliegt ihre Zusammensetzung und Qualität erheblichen Schwankungen. Verunreinigungen, Beimischungen oder Streckmittel sind - wie die genaue Dosis - für den Konsumenten äußerlich nicht erkennbar. Über 200 verschiedene Endprodukte wurden bereits in beschlagnahmten Drogen festgestellt.

War der Konsum von Drogen zu früheren Zeiten Aussteigern oder Künstlern vorbehalten, so sind es heute Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren, die mit diesen Drogen ihren nächtlichen Spaß und Erlebnishunger steigern (wollen). 1997 gaben bereits 5% der bundesdeutschen Jugendlichen an, schon einmal Ecstasy probiert zu haben. Die Mehrzahl der Konsumenten betreibt Mischkonsum, wobei Cannabis und Kokain unter den illegalen Substanzen neben Alkohol als Zusatzdrogen bevorzugt werden.

Zwar dominiert unter den jungen Erwachsenen laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ein relativ seltener Konsum (bei 60% im Westen und 75% im Osten bestand 1999 ein höchstens 5-maliger Konsum insgesamt), während exzessive Gebrauchsmuster deutlich seltener auftreten. Dennoch ist mit einem Anstieg der Konsumerfahrung unter den 18- bis 24-jährigen von 3,3% im Jahr 2000 auf 5,4% im Jahr 2003 (West) insgesamt von einem erheblichen Umfang des Konsums auszugehen. In Ostdeutschland ist der Anstieg auf 9,7% in dieser Altersgruppe noch beachtlicher. Schätzungen gehen davon aus, dass 50 bis 70% der Besucher/innen von Technopartys Designerdrogen konsumieren, womit der Konsum dort als normal anzusehen ist. Anlass zur Sorge besteht allemal, denn die Gefahren beim Konsum dieser Drogen sind beträchtlich. Vor den Gefahren sollen jedoch zunächst Konsumform/en und Wirkung/en betrachtet werden.

Während Ecstasy überwiegend in Pillenform eingenommen wird, werden Speed und Crystal eher als weißes Pulver geschnupft oder geschluckt. Prinzipiell können Designerdrogen aber auch geraucht oder gespritzt werden. Für eine Ecstasypille zahlt man bei einer Wirkungsdauer von 3 bis 5 Stunden 5,- bis 8,- Euro und für 1 Gramm Speed (Wirkungsdauer ca. 1 bis 2 Stunden bei nasalem und 2 bis 4 Stunden bei oralem Konsum) zwischen 10,- und 30,- Euro, wobei eine „mäßige“ Dosierung mit 50 mg reinem Amphetamin pro Tag angeben wird. Die Wirksamkeit von Crystal wird sogar mit bis zu 30 Stunden und länger angeben, hier beträgt der Preis 10,- bis 25,- Euro je Gramm und die Tageshöchstdosis wird mit ca. 30 mg angegeben. Insgesamt können diese Drogen also als preisgünstig bezeichnet werden (Die Preisangaben beziehen sich auf die Stadt Berlin, Stand 2003).

Amphetamin (Speed) ist in seiner Wirkung dem körpereigenen Adrenalin sehr ähnlich und wird als Aufputschmittel missbraucht, da der Konsum zu einer kurzfristigen Leistungssteigerung und/oder euphorischen Wirkung führt. Dies geschieht dadurch, dass natürliche Schutzmechanismen des Körpers aufgehoben werden und körpereigene Botenstoffe manipuliert bzw. in den Kreislauf ausgeschüttet werden. Hunger, Durst, Müdigkeit und Erschöpfung werden nach dem Konsum nicht mehr eindeutig erkannt, weshalb es auch als Appetitzügler eingesetzt wird. Es vermittelt Unbeschwertheit und steigert das Selbstvertrauen.

Die (Haupt-)Wirkung von Ecstasy dagegen bzw. der Hauptinhaltsstoffe MDMA und MBDB ist stimmungsaufhellend und gefühlverstärkend; Ängste und Hemmungen werden abgebaut. Ecstasy vermittelt ein Gefühl der Selbstakzeptanz und „Nestwärme“, der Geborgenheit und des Einfühlens in andere Menschen und es erhöht die Kommunikations- und Kontaktfreudigkeit. Die antriebssteigernde Wirkung - ähnlich dem Amphetamin - ist zwar vorhanden, doch weniger stark, ebenso ist die halluzinogene Wirkung eher schwach ausgeprägt.

Betrachtet man die Gefahren, die mit dem Konsum dieser Drogen verbunden sind, so kann man zunächst zwischen akuten Gefahren und Spätfolgen unterscheiden. Eine akute Gefahr besteht z.B. in der gesteigerten Aktivität und dem gleichzeitig verloren gegangen Gespür für körperliche Signale. Mangelt es dem Körper bei fehlendem Durst an ausreichender Flüssigkeitszufuhr, so kann es infolge Dehydration zum Kreislaufkollaps kommen. Ähnlich verhält es sich mit dem Bedürfnis nach Schlaf. Da Konsumenten von Designerdrogen ihre eigene Müdigkeit kaum spüren und über normale körperliche Grenzen weit hinausgehen, wird der Schlafrhythmus durcheinander gebracht, was in der Folge zu sehr langen Schlafphasen oder auch Schlaflosigkeit führen kann. Hinzu kommen Konzentrationsschwäche, Appetitlosigkeit, depressive Verstimmung und völlige Erschöpfung nach Abklingen der Wirkung z.B. nach durchgefeierten Wochenenden (Ecstasy-Kater).

Im Rausch besteht wiederum eine erhöhte Gefahr, in Verkehrs- und andere Unfälle verwickelt zu werden. Das Missverhältnis zwischen (subjektiv) gesteigerter körperlicher und eingeschränkter psychischer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt vorübergehend die Fähigkeit zu verantwortlichen Entscheidungen. Es besteht die Gefahr leichtsinnigen Verhaltens. Insbesondere beim Amphetaminkonsum, bei dem u. a. erweiterte lichtstarre Pupillen zu beobachten sind, stellt die Überschätzung der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit ein hohes Risiko dar.

Schließlich besteht aufgrund der dubiosen Herkunft von Designerdrogen stets die Gefahr der Überdosierung. Streckmittel (z.B. LSD) und sonstige Zusätze können Vergiftungen verursachen, und es ist - insbesondere beim zu beobachtenden experimentierenden Konsum - mit unkalkulierbaren Wechselwirkungen mit anderen Drogen zu rechnen. Realistischerweise ist davon auszugehen, dass die Todesursache als Folge der Einnahme dieser Drogen häufig nicht erkannt wird (Dunkelziffer), z.B. bei Herzstillstand oder Autounfall. Spätfolgen sind in Zusammenhang mit psychischen und sozialen Problemen zu sehen (z.B. depressive Zustände, Selbstmordgedanken, Halluzinationen, Psychose, Angstzustände sowie sozialer Rückzug, Ärger mit Eltern und Freunden, Leistungsabfall). Bleibende Schädigungen waren lange Zeit umstritten, doch kommen neuere Studien zu dem Schluss, dass der chronische Konsum von Ecstasy zu dauerhaften Veränderungen im Gehirn führen kann. Besonders gefährdet sind Menschen mit bereits bestehenden Krankheiten (z.B. Herzrhythmus- oder Leberfunktionsstörungen, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck).

Aufgrund des mancherorts selbstverständlich erscheinenden Konsums von Designerdrogen ist vielen jugendlichen Konsumenten nicht bewusst, dass diese Substanzen rechtlich unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) fallen. Das heißt, sie sind illegal und rezeptpflichtig. Herstellung, Verkauf, Erwerb und Besitz (nicht der Konsum) müssen strafrechtlich (§29 BtMG) verfolgt werden, auch wenn Polizei und Staatsanwaltschaft das BtMG je nach Bundesland sehr unterschiedlich durchsetzen. Wer unter dem Einfluss von Designerdrogen am Straßenverkehr teilnimmt, handelt ordnungswidrig und riskiert neben dem Bußgeld und Fahrverbot sowie dem Eintrag ins Verkehrszentralregister in Flensburg die Überprüfung seiner Fahreignung durch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU).

Nicht zuletzt sollte die Gefahr der (psychischen) Abhängigkeit von diesen Substanzen nicht unterschätzt werden. Gemeint ist ein starkes, gieriges Verlangen nach diesen Drogen, eine Art Wiederholungszwang auch im Bewusstsein der schädlichen Folgen. Hierzu zählt auch die Aufgabe oder Vernachlässigung anderer wichtiger Vergnügen und Interessen sowie die verminderte Kontrolle über Konsumdauer und -menge (z.B. mehr von der Substanz oder über einen längeren Zeitraum konsumiert als geplant). Solche Erscheinungen sind, wenn sie über einen längeren Zeitraum (> 4 Wochen) bestehen, deutliche Kennzeichen eines Suchtverhaltens. Sehr lebensnahe Schilderungen finden sich auf den zahlreichen Internetseiten zu diesem Thema. Der folgende kurze Ausschnitt stammt von den Seiten des Suchtzentrums Leipzig e.V. (http://www.drugscouts.de) und soll die Schwierigkeit des Entzugs und die bestehende Rückfallgefahr veranschaulichen:

„Vor ungefähr einem Monat fasste ich den Entschluss, damit aufzuhören, und zwar endgültig. Dachte mir, das wird ja wohl auch nicht so schwer sein... Ich hielt meinem eigenen... Willen ganze 2 Wochen stand. In diesen 2 Wochen ohne C (gemeint: Crystal) erlebte ich die Hölle... nächtelang heulte... ich und suchte vergebens nach einem Sinn in meinem Leben... Ich fühlte mich unendlich leer... Ich hasste mich selbst, hasste die Welt, war aggressiv wie niemals zuvor... war... bereit, aus dem Fenster zu springen... versuchte, mich mit Unmengen von Haschisch... zu betäuben, um einfach nur schlafen zu können... Als ich die Wahl zwischen dem schnellen Tod und ‘ner Nase C hatte, entschied ich mich für C und bin seitdem... wieder voll dabei!“

Internetseiten wie diese sind sehr gut auf die jugendliche Zielgruppe der (Designer-)Drogenkonsumenten zugeschnitten und informieren umfänglich. Politisch herrscht auch europaweit Einigkeit über die Bedeutung gezielter Informationsstrategien als Maßnahme primärer Prävention. So überrascht es nicht, dass zahlreiche leitfadenartige Anleitungen zum risikomindernden Drogenkonsum verfügbar sind (z.B. www.eve-rave.net/abfahrer/download/eve-rave/bericht108.pdf). Neben anderen Maßnahmen, die an dieser Stelle nicht diskutiert werden können, stehen Pillentests (Drug-checking) im Sinne einer Schadensminimierung zur Diskussion. Auf Veranstaltungen durchgeführte chemische Analysen von Pillen habe zum Ziel, den Konsumenten Aufschluss über die genauen Inhaltsstoffe zu geben.

Der mit diesen Maßnahmen in Verbindung stehende selbstbestimmte Drogenkonsum sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es trotz aller Information und Risikominimierung bei den Konsumenten zu einem Verlust der Kontrolle über diese Drogen kommen kann und die derzeit verfügbaren Therapieangebote (noch) wenig vielfältig sind. Das heißt, neben den bereits genannten Risiken entsteht im Falle einer Abhängigkeit die Situation, dass noch keine langfristig erprobten Therapieprogramme und nur begrenzt kompetente Ansprechpartner z.B. in Beratungsstellen zur Verfügung stehen - ganz im Gegensatz zur klassischen Suchtkrankenhilfe. Von therapeutischer Seite sind unter anderem besondere Kenntnisse über die soziale Herkunft und den Lebensstil der Konsumenten (z.B. Rituale und Werte der Technoszene) nötig. Insgesamt besteht aber Anlass zur Annahme, dass in den nächsten Jahren Fortschritte auf diesem Gebiet verzeichnet werden.

 

Vertiefende und weiterführende Literatur

Schmidbauer W, vom Scheidt J (2004). Handbuch der Rauschdrogen. Fischer

Täschner KL (2001) Harte Drogen – weiche Drogen? TRIAS

 

Informationen im Internet

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Broschüre Nr. 8: Die Sucht und ihre Stoffe - Amphetamine

Suchtzentrum Leipzig e.V.

Verein für Drogenpolitik e.V.

26 Fragen und Antworten zu Ecstasy und Drug-checking - Antworten der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

 

Seitenanfang

Veröffentlicht am 23. Juni 2004

 

Copyright © 1999-2010 by IPSIS® Institut für psychotherapeutische Information

info@ipsis.de    webmaster@ipsis.de